Traumarbeit: Mit Ortrud Grön auf den Punkt kommen

Sommer, Sonne, Leichtigkeit … Zusätzlich sollte es für den Urlaub eine nicht zu schwere Lektüre sein, auf jeden Fall irgendetwas mit Träumen.

Aus meinen übervollen Regalfach „Noch einmal lesen“ greife ich mir „Die Weisheit der Träume“ von Klausbernd Vollmar. Das Buch deckt kurz und übersichtlich und doch mit Tiefe alles ab, was mit Träumen zu tun hat. Dabei verwendet Vollmar eine klare Sprache, hält das Fachspezifische leicht und locker und vergisst den Humor nicht.
Zu guter Letzt erzählt er einen feinen kurzen eigenen Traum und deutet ihn multipel im Sinne und nach Art verschiedener bekannter Traumschulen. – Super gemacht, das begeistert mich.

Und doch, etwas fehlt mir! – Die Sichtweise von Ortrud Grön, die mir persönlich bei allen Traumbetrachtungen absolut wichtig ist. Und die immer weiterhilft, wenn man sich beim Verstehen der Träume nicht mit oberflächlichen Deutungen zufrieden geben will, sondern auf den Punkt kommen möchte.

TAOG – die Traumarbeit nach Ortrud Grön

Im Blogartikel hier erzähle ich beispielhaft an Klemens‘ Traum, wie man mit der Traumarbeit nach Ortrud Grön (TAOG) traumhafte Dinge gut und tief ergründet. Und wie dabei manches „Vielleicht“ und „Es-könnte-sein“ beim Träumeverstehen durch Klarheit und Gewissheit ersetzt werden kann.

Nach meiner Erfahrung ist das ein Wesensmerkmal der TAOG.

Klemens Traum

„Da sind drei Männer. Einer davon ist ein entfernter Verwandter. Zu diesem gibt es eine Geschichte zu erzählen.
Ich bin in der Straße, wo damals wegen der Zerstörung im Krieg die U-Bahn oben entlang fuhr und nicht unterirdisch. Ich sehe aus dem Fenster der U-Bahn nach draußen und blicke wie früher auf ein weites Trümmerfeld und empfinde das als ganz realistisch. Auf dem Trümmerfeld erhebt sich ein großes Backsteingebäude aus roten Steinen, glänzend in Licht getaucht, ein wunderschönes Bild!“

Klemens‘ Traum

Klemens ist im Ruhestand, aber ohne Ruhe. Er ist ein begnadeter Wissenschaftler. In die Jahre gekommen bleibt er aktiv und interessiert – in seiner Familie, in seinem Fachgebiet und in allen Lebenslagen. Als Autor nimmt er philosophische, psychologische, theologische und spirituelle Themen in den Fokus und ist gern mit anderen Menschen in Verbindung.

Die Dramatik im Traumgeschehen – eine „normale“ Traumbetrachtung

Klemens‘ Traum nimmt gefangen.

Über das große Trümmerfeld kann man nicht einfach hinwegsehen. Klemens selbst hält es für ein echtes erinnertes Bild aus seiner Zeit im Krieg in Berlin. Dort, wo er das Trümmerfeld sah, fuhr damals real die U-Bahn wegen der Zerstörung nicht unterirdisch, sondern wurde oben entlang geleitet. Mit anderen Worten, es ist ein Bild, das Klemens im Unterbewusstsein gespeichert hatte (entsprechend der U-Bahn, die normalerweise unterirdisch fährt), das er hier aber bewusst und sehr realistisch (oberirdisch) im Traum erinnert.

Aber warum kommt das Trümmerfeld gerade jetzt in Klemens‘ Erinnerung an die Oberfläche?
Sein derzeitiges Leben gibt nach meiner Ansicht keinen Anlass für eine pessimistische Einschätzung der eigenen Situation.

In einem solchen Fall lasse ich meiner Intuition freien Lauf und stelle Fragen, die zum Träumer, zu seiner akuten Situation passen, zu dem, was ich bereits von ihm erfahren habe und weiß.
Mitunter, wie auch jetzt bei Klemens, gibt es dann einen Augenblick, den ich genieße: Der Träumerin oder dem Träumer huscht für einen Augenblick ein leichtes Lächeln über das Gesicht. Das ist wie ‚Jetzt hast du mich ertappt‘ und es drückt aus: Das habe ich so noch keinem erzählt, aber genau so empfinde ich das. Mit anderen Worten, meine Frage enthielt eigentlich schon die Antwort des Träumers, sie wird als angemessen und überaus stimmig empfunden.

Auch Klemens fühlt sich durch meine Anregung deutlich abgeholt.

Ich hatte ihn nach seiner Einschätzung der Weltsituation gefragt. – Genau, diese ist für ihn das Trümmerfeld im Traum, es seien die Krisen der heutigen Zeit, die nicht enden, sondern nahtlos von einer zu anderen übergehen – Zeitqualität dramatisch, Ausgang ungewiss.


Und doch steht in Klemens‘ Traum inmitten des weiten Trümmerfeldes das rote Backsteinhaus, im Glanz des Lichtes. Es ist dieses Haus, das ihm ein abschließendes Traumgefühl von „schön und wunderbar“ gibt.
Ein Gebäude, ein Haus hat im Traum immer etwas mit dem Träumer selbst zu tun. Dieses Haus ist damit ein durchaus beruhigendes Bild für Klemens.

Wenn du den Betrachtungen über den Traum bis hierhin gefolgt bist, wirst du dich fragen, was der Traum nun für Klemens für eine Botschaft bereithält. Sein Lebenswerk kennt er ja und bekennt sich dazu, genauso ist das dramatische Zeitgeschehen ja nichts Unbekanntes für ihn.

Was daran ist neu oder besonders, so dass der Traum es für so wichtig hält, eine nächtliche Geschichte daraus zu machen?

Der anfängliche Fokus bei der Traumbetrachtung auf das Trümmerfeld und das Backsteingebäude ist wahrscheinlich nachvollziehbar. Ich erlebe es ständig, dass solche besonderen Bilder im Traum die ganze Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Doch für eine gute Traumbetrachtung genügt das nicht, da hätten wir die Rechnung ohne Frau Grön gemacht.

TAOG – Fokusänderung!

Ortrud Grön, die exzellente Traumforscherin und Traumkundige, misst allen Details im Traum eine Bedeutung bei.
Und wie du noch sehen wirst, führt bei Klemens‘ Traum ein dementsprechender Umgang mit den Traumbildern zu viel deutlicheren Botschaften als oben beschrieben. Denn bisher haben wir den gesamten Traumbeginn nicht in die Betrachtung einbezogen, sondern einfach vernachlässigt.

Bei oberflächlichen traditionellen Traumdeutungen spielt das keine Rolle, da wird schnell etwas interpretiert, was gar nicht da ist oder es werden Inhalte einfach weggelassen. – Undenkbar bei der TAOG!

Im Folgenden wirst du von einigen Grundzügen der Grönschen Traumarbeit erfahren, die ich für Klemens‘ Traum grob skizzieren und anwenden werde.

Die Zahlen im Traum

Schau noch einmal zurück auf Klemens‘ Traum. Die Anfangsdetails haben wir bisher völlig außeracht gelassen.

Da sind drei Männer. Einer davon ist ein entfernter Verwandter. Zu diesem gibt es eine Geschichte zu erzählen.

Aus Klemens‘ Traum

Ist das nicht spannend? Klemens‘ Traum beginnt mit drei Männern. Eigentlich ist nur von einem etwas bekannt, dem Verwandten. Zwei weitere dichtet der Traum hinzu.

Warum?

Nach Ortrud Grön wird damit die Zahl 3 (drei Männer) in den Vordergrund gerückt. Damit ist eine Aufforderung verbunden, die Aufforderung, nach einer Erkenntnis zu suchen.
Nach einer Erkenntnis! Nicht nach Bewertungen, nicht nach einem tieferen Sinn, nicht nach verborgenen Bedeutungen. Sondern ganz simpel:

„Klemens, erkenne, was ist!“

Und es bleibt abzuwarten, was die Geschichte seines Verwandten hierzu offenbart.

Klemens erzählt also, dass er in frühen Jahren erlebt hatte, dass der Verwandte real etwas verloren hatte, etwas, was unentbehrlich und wichtig für ihn war. Es handelte sich wohl um eine Tasche oder um seine Brieftasche, jedenfalls ging es um einen Verlust, der ihm und seinem Umfeld schlaflose Nächte bescherte und allen richtig zu schaffen machte.

Doch zu dieser Geschichte gehört, dass das Verlorengeglaubte plötzlich wieder auftauchte, wie durch ein Wunder. Der ganze Stress, das ganze Drama drumherum war auf einmal vorbei.

Klemens‘ Fazit aus diesem frühen Erlebnis mit dem Verwandten war: Die Dinge sind und entwickeln sich mitunter ganz anders als sie anfangs scheinen und anders als man denkt und erwartet.

Hier hatten wir die Zahl 3 als Erkenntniszahl laut Ortud Grön einbezogen, weil sie sich in Klemens‘ Traum zeigte.
Ortrud Gröns gesamte Numerologie für die Traumarbeit ist ein großartiges Instrument für detailreiche und -genaue Traumbetrachtungen. Diese würde allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen und wird deshalb hier nicht weiter vertieft.

Die Abfolge der Bilder – eine Traumstruktur

Neben der Numerologie für die Traumarbeit ist Ortrud Gröns Entdeckung der Struktur der Träume absolut hilfreich, um einer Traumaussage auf die Spur zu kommen.

Auch bei der Traumstruktur, in einer immer gleichen Abfolge von Traumsequenzen mit gleichem Bedeutungshintergrund, spielen die Zahlen wieder eine Rolle. So ist die 1. Traumsequenz immer die Ausgangssituation für den Träumer, die 2. Traumsequenz enthält eine Ambivalenz oder Störung der Harmonie, in der 3. Sequenz gibt es eine Erkenntnis zu dieser Störung, usw.
Meist hat ein Traum bis zu 4 bis 6 solcher unterscheidbarer Sequenzen, die zu einer Schlussfolgerung, bestenfalls zu einem Bekenntnis des Träumers führen.

Diese Struktur der Träume kann man mit der Dramaturgie in der grieschischen Tragödie gleichsetzen.

Für Klemens‘ Traum habe ich die Bedeutung dieser Strukturierung bereits oben kurz angedeutet: Die erste Traumsequenz mit den drei Männern leitet den Traum ein und ist damit das Bild, das man bei der weiteren Betrachtung des Traums im Hinterkopf behalten muss: Klemens soll am Beispiel seines Verwandten erkennen, dass sich „die Dinge“ ganz anders entwickeln können, als es akut scheint oder als er jetzt denkt.

Damit wird Klemens‘ pessimistische Sicht auf das Trümmerfeld im Traum hinterfragt. Das leuchtete Klemens bei der Traumbesprechung sofort ein, denn das Erlebnis mit seinem Verwandten hatte ihn tief beeindruckt und er hat die Botschaft daraus als Lebenserfahrung durch viele Jahre mitgenommen.

So wandelt Klemens seine Haltung um – von „die Welt ist ein Trümmerfeld“ hin zu: „Es könnte auch ganz anders sein oder anders kommen“.

Das Wesen der Dinge

Damit wurde Klemens Blick auf das abschließende Traumbild, das rote Backsteingebäude im Licht, noch freier und unbelasteter.

Doch auch hier seien weitere Hinweise auf Ortrud Gröns grandiose Traumarbeit erlaubt.

Sie wurde nicht müde, bei der Erforschung von Traumbedeutungen den Dingen, um die es im Traum geht, auf den Grund zu gehen. Und das heißt in jedem Einzelfall, den Traumgegenstand zu hinterfragen, und zu ergründen, was das Wesen der Dinge im Traum ist.

Dabei möchte ich gar nicht von meiner eigenen Begeisterung und Resonanz sprechen, die mich erfasst, wenn ich den Träumen selbst auf diese Weise zu Leibe rücke. Sondern es ist so erfüllend, die Resonanz der Träumer zu erleben, wenn man ihnen diese Sichtweisen näherbringen kann.

Wie stimmig die TAOG ist, zeigt sich, wenn eine einfache intellektuelle Aussage über das Wesen der Dinge in Resonanz geht mit der Wahrhaftigkeit dessen, was der Träumer empfindet und was seine Seele ihm durch den Traum vermitteln möchte.

Bleiben wir zur Veranschaulichung bei Klemens‘ Bild des roten Backsteingebäudes. Dieses hatte Klemens selbst schon als ein durchaus positives und beeindruckendes Bild aus dem Traum mitgebracht.

Doch das Wesen des roten Backsteinhauses setzt der Traumbotschaft für Klemens ein i-Tüpfelchen auf: Denn ein stabiles Haus allein, mit allem was dazu gehört, ist schon ein gutes Symbol für das Selbst. Doch hinzu kommt, dass es in Klemens‘ Fall als Backsteinhaus aus einzelnen Steinen gebaut wurde, ein Bild für die Arbeit am Eigenen, bei der ein Baustein dem anderen hinzugefügt wurde. Diese Bausteine im Traum sind Backsteine, Materialien, die erhitzt wurden, also in einem Transformationsprozess geformt und gefertigt wurden hin zu mehr Stabilität und Widerstandskraft. Die Rotfärbung spricht außerdem für viel Energie, die den Materialien innewohnt und mit der das Gebäude entsprechend errichtet wurde. Jeder Baustein besteht aus Lehm oder Ton, einem Rohstoff der Erde, Symbol für unsere Schöpferkraft.

Für Klemens ist es nicht zu hoch gegriffen, das Haus, das seine Schönheit und seinen Glanz im Licht entfaltet, als das Gebäude anzusehen, das aus jetziger Sicht sein Lebenswerk symbolisiert.

Ich frage mich, ob Klausbernd Vollmar mit Hilfe der TAOG seinem oben erwähnten Traum eine weitere spannende und konkrete Botschaft hinzufügen würde.

Möchtest du die Traumarbeit nach Ortrud Grön (TAOG) in der konkreten Anwendung erleben? In der Online-Traumstunde besprechen wir in einer kleinen Gruppe die Träume der Beteiligten.

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