Träum was Schönes.

Träum was Schönes … Wirst du heute gleich mit meiner wöchentlichen Abschiedsfloskel begrüßt? Nein! Dies ist das heutige Thema. Und es ist keine Floskel. Es ist mein Wunsch für dich. Einer, der von Herzen kommt.

Gute Träume, schlechte Träume …

Es ist mitnichten selbstverständlich, dass man etwas Schönes träumt. Du weißt, es gibt verwirrende Träume, Träume, die nichts hinterlassen außer einem beunruhigenden Gefühl, Träume, die beklommen machen, bis hin zu Albträumen, die sich wiederholen, so dass der Träumende schließlich Angst davor hat, ins Bett zu gehen.

Vor einigen Monaten – aktuell haben wir August 2020 und somit ist „Corona“ ein allgegenwärtiges Thema – begann die Harvard-Professorin Dr. Deirdre Barrett mit einer großen internationalen Umfrageaktion1. Sie will Träume im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie untersuchen. Es ist bedrückend zu lesen, welch innere Dramatik in den von ihr gesammelten Träumen herrscht, welcher Verwirrung und welchen Ängsten viele der Träumerinnen und Träumer ausgesetzt sind. Welch ein Stress da wohl Nacht für Nacht bewältigt werden muss, über die tagsüber bewusst erlebten Herausforderungen hinaus!
Doch so unterschiedlich, wie Menschen mit dem Corona-Thema umgehen, so unterschiedlich sind wohl auch ihre Träume.

Die Reise nach Wuhan

Kürzlich wollte Bernadette eine Traumserie mit mir besprechen. Ein Traum begann so: „Ich wollte nach Wuhan2.“
Ok!? Ich schnallte mich an, atmete tief ein und aus und war auf alles gefasst.
Doch was hörte ich? Keine Lebensängste, keine verzweifelten Gefühle, keine Spur von Hoffnungslosigkeit. Der Traum spiegelt eher die typische Bernadette – eine offene, neugierige und kreative Frau, die im Jetzt lebt, jeden Tag positiv begrüßt und es versteht, mit wachem Blick und großer Mitmenschlichkeit das Beste aus allem zu machen.

Die Träume ihrer “Wuhan-Serie” beginnen jeweils auf einem Schiff, das Deck unter Bernadettes Füßen ist anfangs brüchig. Zuerst war sie sich nicht sicher, ob sie überhaupt mitreisen wollte, wurde dann aber plötzlich mitgerissen. Am Himmel über dem Schiff betrachtet Bernadette neugierig und fasziniert zwei überwältigend große Vogelschwärme, verbunden aber mit der Angst vor den möglichen Exkrementen der Vögel. Sie begegnet, nachdem sie ihren Reiserucksack ablegen konnte, einer Künstlerin – mit der Aufgabe, sich zu ihr zu äußern. Im Folgetraum hat sie ein festes Deck unter den Füßen. Sie erlebt noch viele Reisestationen. Dann schließlich hat sie eine ihr bekannte Fotografin deutlich vor Augen. Diese posiert vor ihr, mit kindlichem Charme und in einem schönen blauen Kleid mit weißen Blüten.

Das Schiff im Meer symbolisiert Bernadettes Lebensreise. Dabei gewinnt sie im Laufe der Zeit festeren Boden unter den Füßen. Die Ereignisse der letzten Monate werden auch von ihr als einschneidend erlebt, so ist verständlich, dass sie unsicher ist, ob sie die Reise antreten will. Diese anfängliche Frage löst sich durch das plötzliche Mitgerissenwerden auf, Bernadettes Reise beginnt. Diese Traumszene ist leicht nachzuvollziehen, denn in das Coronathema wurden wir ja alle hineingezogen, ob wir wollten oder nicht.

Vögel als Herrscher des Luftraums, eigentlich ein wunderbares Symbol für freiheitliche Bewusstseinsprozesse, formieren sich in Bernadettes Traum zum Sinnbild der Informationsschwemme. Eine solche sucht uns ja seit „Corona“ besonders heim. Bernadette erlebt diese als durchaus zweispältig – was durch die zwei Schwärme symbolisiert wird. Und es kann dabei für ihr Empfinden auch jede Menge „Scheiß“ abfallen, eine unangenehme Vorstellung. Auch das ist verständlich, oder?

Bernadettes vielseitiges kreatives Schaffen spielt eine große Rolle in ihrem Leben. Im Traum nähert sie sich dem Thema ihrer Kreativität, nachdem sie wieder mehr Leichtigkeit findet, also den großen Reiserucksack, Lebenspäckchen sozusagen, ablegen konnte, und dann mit der Künstlerin in Kontakt kommt.
Doch ihr eigentlicher Wunsch zeigt sich in dem feinen Bild der posierenden Fotografin, die in ihrem Kleid mit weißen Blüten so charmant um Bernadettes Aufmerksamkeit wirbt. Mit diesem Traumbild begegnet die Träumerin ihrem Lebenswunsch, dem sie tatsächlich – und jetzt deutlich vor Augen – immer mehr Aufmerksamkeit widmen möchte.

Ortrud Grön sagt, Wünsche sind wie Blüten, die befruchtet werden wollen, aufblühende Herzenswünsche sind der Wegweiser in unsere Identität.
Die vielen Blüten auf dem Kleid zeigen das große künstlerische Potential, das Bernadette als Fotografin verwirklichen kann. Das ist ihr durchaus bewusst, die Klarheit der weißen Blüten symbolisiert diese Klarheit. Aber dieser Wunsch bringt sich nun in Erinnerung und möchte erfüllt werden.

Krise als Chance

So zeigt sich in Bernadettes Träumen, dass die Krise im Außen („Wuhan“) für sie offenbar ein Ruf ist, deutlich bei sich zu bleiben, nach innen zu schauen, und einen innigen Seelenwunsch in Augenschein zu nehmen.
Wobei dies eine Lebenshaltung ist, die Bernadette sich jahrzehntelang erarbeitet hat.

Was aber, wenn im Traum tatsächlich der Boden unter den Füßen wegbricht, die Hütte brennt oder wir von einer schwierigen Situation in die nächste stolpern?

Dann beginnen wir in der Traumarbeit genau dort, wo wir hineingeschubst werden.

Ortrud Grön, die unermüdliche Traumforscherin, -lehrerin und -therapeutin, drückte es so aus:

Träume sind dramatische Dichtungen zu unserer Schwierigkeit zu reifen. Sie sind die Werkstatt des geistigen Lebens, Wegweiser zu befreiten Gefühlen und Gedanken und sie zeigen den Weg zur persönlichen Freiheit und zur schöpferischen Kraft.

Ortrud Grön, Traum und Evolution, 2017 EHP

All dies können wir uns Schritt für Schritt erarbeiten, beginnend an dem Ort, den der Traum uns offenbart, am derzeitigen Seelenort, sprich, bei unserer aktuellen Befindlichtkeit. Je stimmiger unser Weg dann wird, umso entspannter helfen die Träume bei

träum was Schönes.

“Träum was Schönes” – das wünschte mir auch mein Vater immer abends, wenn ich auf dem Weg ins Bett war.
Heute frage ich mich, ob sich mit diesem freundlichen väterlichen Wunsch für eine friedliche Nacht in mir ein Urvertrauen in die Träume aufbaute. Früher war es mir nicht bewusst, aber heute empfinde ich es als ein großes Geschenk, gut und entspannt träumen zu können, ein Vertrauen zu haben, dass das Unbewusste in der Nacht ein gutes Werk für mich verrichten wird.

Danke, Papa, für diese Basis, die du gelegt hast.

Und genauso wünsche ich auch dir von Herzen heute und immer wieder:
Träum was Schönes.


1 Zur Umfrageaktion [LINK] | Bericht in der VOGUE über die Aktion „Schlechte Träume?“ VOGUE 21.04.2020 [LINK]

 2 Wuhan gilt als der Ort, an dem die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie ihren Anfang nahm

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