„Und plötzlich wurde ich ganz ruhig“

Über den Sinn von Traumbesprechungen

Heikes Traum

Solch ein Chaos, ein Gewusel ohne Fokus, nur Hin und Her. Unklarheit, was die Arbeitsaufgabe ist. Im Job. Heike soll ihren Arbeitskollegen im hinteren Büro helfen. Dann doch wieder nicht. Dann vielleicht doch.
Schließlich fährt sie den Kollegen, die nun mit der Bahn unterwegs sind, mit dem Fahrrad hinterher, holt den Zug auf einem Bahnhof im Wald ein, erhält wieder keine klaren Auskünfte von einem Mann, der ebenfalls – zusammen mit den Kollegen – im Abteil dieses Zuges sitzt, und sich schließlich als Besitzer eines imposanten Hundes herausstellt.

„Alles so schräg“, empfindet Heike im Traum und wundert sich, dass sie sich auf einmal total über ihre Fahrradtour im Wald freuen und eine klare Entscheidung treffen kann.

Meine Freundin Heike, die mir den Traum erzählte, hat keine Idee, was diese Situation, die sie im Traum erlebt, ihr sagen soll. Sie findet keine Entsprechung dafür in ihrem beruflichen Alltag, in dem in letzter Zeit doch alles durchaus geschmeidig lief und läuft.

Heikes Traum

Was haben ‚verrückte‘ Traumbilder mit mir zu tun?

Das kommt Dir vielleicht bekannt vor? – Dieses Gefühl, eine Traumgeschichte so gar nicht einordnen zu können, keine Verbindung zum realen Leben zu erkennen?

Hier kann ich meistens helfen – durch Rückfragen und mit Ideen, die sich sowohl aus dem Traum als auch aus Informationen zum Alltag der Träumerin speisen. So kamen wir schnell dahin zu erkennen, dass es ganz und gar keine Jobsituation war, die Heike im Traum aufgenommen hatte. Sondern es ging um etwas Privates, an dem sie aktuell heftig arbeitete. Dieses Chaos im Traum, dieses Hin und Her spiegelte sehr deutlich Heikes psychische Situation in den letzten Wochen, ihre Unsicherheit und Entscheidungsschwäche und die sich daraus ergebende psychische innere Dynamik.

‚Verrückte‘ Traumbilder und die Realität

Nachdem Heike das erkannt hatte, fiel es ihr nicht mehr schwer, sogar für kleine Details im Traum reale Entsprechungen zu finden: Etwa „das hintere Büro“ der Kollegen. Das entsprach Heikes Versuch, die Angelegenheit der letzten Wochen nicht so ernst zu nehmen, sie immer wieder zur Seite zu schieben, nach „hinten“ zu verlagern. Was aber nicht gelang. Ihre inneren Anteile ließen sich nicht „abschieben“ und machten sich schließlich – im Traum – mit der Bahn auf den Weg. Heike musste lachen: Da bin ich mal wieder auf meinen ausgefahrenen Gleisen unterwegs, kein Wunder, dass ich da auch keinen inneren Kontakt zu mir bekomme … Schließlich der Mann im Zug, unentschlossen und nicht aussagefähig – Heikes Handlungsanteil, der scheinbar keine Kraft hat, ihre inneren Anteilen zu unterstützen.

Aber dessen Hund bringt eine Wende: Heike entdeckt die Treue zu sich selbst und wendet ihren Fokus sich selbst zu.

Das entsprach einem Versprechen, das Heike sich kürzlich selbst gegeben hatte: Ihren Schwierigkeiten diesmal anders als früher zu begegnen, sich auf keinen Fall unterkriegen zu lassen, ihrem täglichen Gefühl der Überforderung und Belastung mit der Überzeugung gegenüberzutreten, dass sie damit fertig werden würde und das sie die Kraft habe, das zu schaffen und stabil zu bleiben.

Wenn Träume dir inneren Frieden schenken

Noch bevor ich Heike fragen konnte, ob sie ihren Traum jetzt mit anderen Augen sehen könne, sagte sie:

„Jetzt werde ich ganz ruhig!“

Sie meinte damit das wunderbare Gefühl, das sich einstellt, wenn man die Gewissheit hat, dass sogar die verrückten Traumbilder zu einem selbst gehören und 1:1 zu einem passen.
Die Erkenntnisse über ihren Traum gaben Heike die Gelegenheit, sich die Psychodynamik ihrer Erkenntnis-, Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse der vergangenen Wochen noch einmal ganz bewusst anzuschauen und sich am Ergebnis zu erfreuen.

Heikes Fazit: „Ich sag nur: innerer Frieden … Wunderbar!“

Kannst Du Heikes Freude nachempfinden?

Oft geht es ja gar nicht darum, die Traumsituation wie in einem Krimi zu verstehen und aufzulösen, sondern um das Gefühl, dass da gar nichts „Verrücktes“ ist, sondern dass man sogar mit Traumbildern, die einen eher verunsichern, ganz und gar bei sich ist bzw. durchaus sein kann.

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