Isolde klagte: „Petra, ich weiß nicht, was los ist, ich träume kaum noch, nur noch so Fragmente.“
“Schade, sagte ich, wirf diese Diamantensplitter nicht einfach so weg. Erzähl lieber mal von einem solchen Fragment!”

„Ich stand in der Küche und siebte und siebte.”

Isoldes Traum

Traumfragmente verstehen – wichtig ist die Verbindung zur Träumerin, zum Träumer

Das ist in der Tat ein Minifragment, zumal Isolde keine weiteren Assoziationen zu diesem Traumbild hatte und ihr auch sonst nichts Wesentliches aus dem Alltag dazu einfiel. Der Traumbedeutung können wir trotzdem auf die Spur kommen.

Das Sieben in der Küche im Traum erzählt etwas über Isoldes Lebensart

Nehmen wir die Küche in den Fokus. Ich möchte hier Ortrud Grön zitieren mit ihrer genialen Aussage: Die Küche im Traum ist der innere Raum, in dem wir uns unsere Lebensspeise zubereiten. Schön, oder?

Solange ich Isolde kenne, und das sind schon einige Jahre, passt dieses Bild ganz typisch zu ihr. Nie erzählt sie von ihren Mühen des Alters und des Alltags, obwohl es beides zur Genüge gibt. Immer hat sie „Wesentliches“ zu erzählen, Dinge, die sie über die Welt und besonders über sich selbst herausgefunden hat. Immer wieder holt sie sich Anregungen, aus Büchern, von anderen, besonders von Gleichgesinnten. Und immer gleicht sie genau und sehr kritisch ab, was zu ihr passt und was nicht.

Wenn ich Isolde jetzt zuhöre, sehe ich sie in der Küche stehen und sieben. Sie siebt und siebt aus und findet so heraus, welche Lebensspeise die Ihre ist, welche zu ihr passt und ihr Energie gibt.

Ein Traumfragment, ein kleiner Diamant, auf Isoldes Weg zum
„Erkenne dich selbst!

Die stolze Spinne

Ich erinnerte mich auch gleich an ein eigenes Traumbild, ein einziges, das ich wenige Nächte zuvor geträumt hatte:

Ich ging mit einem kleinen Stapel Unterlagen unterm Arm ins Haus. Neben mir schritt eine kleine schöne Spinne.

Waaas? Eine Spinne schritt …? Was soll das, wirst du fragen. Tatsächlich war die Spinne wunderschön – symmetrisch gewachsen und sie lief irgendwie stolz, erhobenen Hauptes. Ja genau: majestätisch schritt sie ins Haus.

Die Spinne im Traum verhilft zu einer Erkenntnis

Im Traum war ich unterwegs zu mir selbst – hinein in mein Haus. Die Unterlagen in meinem Arm waren ein Symbol für mein Befinden mit meinem Projekt, das ich nun stark reduziert fortführen wollte. Daher also nur so ein kleiner Stapel. Und die kleine schöne Spinne zeigte mir, wie gut meine Entscheidung für die Reduktion doch war. Genau daran hatte ich am Vortag ja noch gezweifelt, denn ich war frustriert, weil die Dinge nicht so liefen, wie ich mir das vorgestellt hatte und weil ich schon im Vorfeld reduzieren musste, wo ich eigentlich etwas aufbauen wollte.

Mit meinem kurzen harmonischen Traumbild allerdings fing ich an, meine Entscheidung mit anderen Augen zu sehen: Wie gut, dass ich es geschafft hatte, mich selbst vor meinen eigenen Ansprüchen zu schützen, vor der schlechten Energie einer maßlosen Selbstüberforderung. Die ursprünglich geplanten Vorhaben hätten mich viel zu viel Kraft gekostet. Der Traum zeigt mir, dass ich eine innere Instanz habe, die Spinne, die mich vor dem Verlust von Lebenskraft (blutsaugende Insekten) schützt. Durch die kleine „majestätische“ Spinne konnte ich erkennen, dass ich stolz auf mich selbst sein sollte und auch mit einem reduzierten Projekt erhobenen Hauptes durchaus weiterkommen kann, mit Gewinn für meine innere Energiebalance. – So kam ich schnell wieder in meine Mitte.

Und dies alles mit Hilfe einer kleinen Traumspinne. Ist das nicht wirklich ein wertvoller Diamantsplitter?

Manche Traumfragmente haben einen ganz anderen Charakter. Zum Beispiel, wenn da eine ganze Geschichte in der Nacht geträumt wurde, man sich aber nur noch an wenige Details erinnert. Und wenn dazu womöglich auch noch die Verbindung zum Vortag fehlt. In diesem Fall kann man versuchen, die Traumerinnerung zu trainieren, indem man das noch präsente Traumfragment wie ein Fadenende greift und sich mit Aufmerksamkeit daran entlang hangelt. Manchmal gelingt es auf diesem Weg, weitere Details des Traums zu fassen.

Schreibe mir gern von deinen Traumfragmenten oder von anderen Traumthemen. Nicht alle Nachrichten kann ich beantworten, aber gelesen und beachtet werden sie alle, versprochen.


Und leite diese Nachricht hier gern an Trauminteressierte, die du kennst, weiter. Diese können sich mit dem Link unten den Merkzettel „Dein einzigartiges Traumtagebuch“ gratis holen und so den Einstieg in die Traumarbeit leicht finden.