Nasses Herbstlaub am Aufstieg

Nasses Herbstlaub am Aufstieg

Die intensiven Farben von Herbstlaubb erfreuen uns, immer wieder, von Jahr zu Jahr. Doch um die Symbolkraft im Traum zu verstehen, muss sehr genau hinschauen. In Lauras Traum hat das Herbstlaub eine ganz besondere emotionale Bedeutung.

Laura ist im Traum mit ihrer Familie im Auto unterwegs, hinauf zu einem Bergplateau. Dabei kommen sie zu einer steilen Stelle mit sehr viel Herbstlaub, das dazu auch noch sehr nass ist. Laura sagt: „Wir würden es alle zusammen nicht schaffen, an dieser gefährlichen Stelle voranzukommen. Deshalb steuert Mama das Auto jetzt allein dort durch und wir anderen gehen zu Fuß weiter.“

Lauras Situation

Real befasst sich Laura mit einer wichtigen Entscheidung hinsichtlich ihrer beruflichen Laufbahn. Sie zieht in Betracht, jetzt noch nicht die angedachten neuen Wege zu ihrem Herzensprojekt einzuschlagen, sondern weiterhin ihren Chef, den sie sehr mag, zu unterstützen. Sonst wäre SEIN ganzes Projekt gefährdet.

Interessant ist, wie Laura ihre Mama im realen Leben beschreibt: „Sie hat ein großes Herz und ist sehr emotional und immer für uns da. Papa ist dagegen der Rationale, ich komme mehr nach ihm“.

Lauras emotionale Seite durch das Herbstlaub symbolisiert

Mit ihren Beschreibungen zur Situation wird verständlich, was es mit dem nassen Herbstlaub am Anstieg auf sich hat. – Normalerweise würde Laura auch rational entscheiden, den eigenen Weg zu gehen, wie vom Papa gelernt. Doch aus emotionalen Gründen will sie diesmal anders und das zugunsten ihres Chefs entscheiden. Sie lässt im Traum ihre emotionale innere Mama, die ein großes Herz für andere hat, eine gefährliche Stelle im „Aufstieg“ allein bewältigen. Anders ausgedrückt, ist hier Laura selbst mit ihrer ausschließlich emotionalen Seite unterwegs.

Wer selbst versucht, im Business voranzukommen, kennt diesen Punkt, an dem Laura gerade steht: Aus der Fürsorge für andere heraus wird der eigene Weg unterbrochen oder manchmal sogar ganz aus dem Auge verloren.

Durch die Rolle, die sie in ihrer Mama im Traum erkennt, wird Laura bewusst, dass sie hinsichtlich der Planung ihrer eigenen Herzensangelegenheit an einer gefährlichen Stelle steht. Im nassen Laub am steilen Weg kommt sie nicht weiter. Diesmal will sie ihrer inneren fürsorglichen Mama die weitere Steuerung des Autos (die Selbststeuerung sozusagen) allein überlassen.
Doch für die weitere Planung ihrer Laufbahn wäre es womöglich förderlich, auch ihre rationale Seite zu Wort kommen zu lassen.

Bewusstheit durch den Traum

Der Traum bewertet Lauras Entscheidung nicht und nimmt sie ihr nicht ab, er zeigt aber die Brisanz an einer kritischen Stelle im Spannungsfeld zwischen Rationalität und Emotionlität und lenkt Lauras Aufmerksamkeit dorthin.

Traumbotschaften sind sehr konstruktiv. Wie geht es dir damit? Hast du auch schon erlebt, dass dir Träume helfen, eine Entscheidung zu treffen oder dir bestätigt haben, dass eine Entscheidung stimmig für dich war oder ist?

Verprügelt und allein gelassen – ein “Traumcheck” bei der Änderungsschneiderin

Verprügelt und allein gelassen – ein “Traumcheck” bei der Änderungsschneiderin

Doris träumt, dass sie Kleidung zu einer Änderungsschneiderin bringt. Sie weiß, wie die Schneiderin heißt. Diese gibt ihr etwas Passendes zum Anziehen. Plötzlich hört Doris Schreie, und es ist ihr klar, dass die Schneiderin verprügelt wird. Ängstlich schlüpft Doris wieder in ihre alten Sachen und verlässt die Schneiderei.
Sie wacht mit dem schalen Gefühl auf, feige zu sein, weil sie der Schneiderin nicht geholfen hat.

Die Kleidung im Traum als Bild für unsere “Lebensausstattung”

Im Traum steht unsere Kleidung für die Ausstattung, die wir uns “geschneidert”, angeeignet haben und mit der wir uns im Leben in den unterschiedlichsten Rollen und Facetten zeigen.
In unserem Gespräch zum Traum erinnert sich Doris an Kindheitssituationen, in denen es ihr nicht gelang, zu sich zu stehen. Zeitlebens hat sie an diesem Thema gearbeitet, durchaus erfolgreich, wie sie denkt. Doch der Traum zeigt, dass es nach wie vor Situationen gibt, in denen die alten konditionierten Verhaltensweisen wieder da sind. Hier wäre eine innere Änderung notwendig und Doris ist auf dem Weg, dafür zu sorgen. Symbolisch dafür steht ihr Gang in die Änderungsschneiderei und die Überreichung von passender Kleidung durch die Schneiderin.

Die Schneiderin – eine innere Änderungsinstanz

Doch der Traum zeigt eine kritische Situation auf, in der Doris’ innere Änderungsinstanz, die Schneiderin, in Gefahr gerät. Dabei schlüpft Doris im Traum wieder in ihre „alte Ausstattung“ und zieht sich zurück. – Für Doris ist das mit einem sehr unguten Gefühl verbunden und sie spürt nach, wo es Entsprechungen in ihrem realen Alltag gibt.

Eine freundliche Aufforderung

Der Traum ist ein freundlicher Appell an Doris, ihrer sehr wohl vorhandenen inneren konstruktiven Änderungsinstanz beizustehen. Traumsymbolisch ist die Schneiderin diese Instanz, diese ist freundlich, hilft bei der Änderung und stellt die passende „Ausstattung“ bereit anstelle der alten, die einer Änderung bedarf. Das sind alles innere Anteile von Doris, die sie durchaus schon in sich trägt. Im Traum wusste sie sogar, wie die Schneiderin heißt. Das bedeutet, ihr ist ihre innere Änderungsinstanz bekannt, also bewusst. Denn an dieser oder für diese hat sie, wie sie sagt, schon immer arbeiten müssen.
Jetzt aber ist Doris aufgefordert, ihre Änderungswünsche und -fähigkeiten ebenfalls bewusst zu verteidigen, also in kritischen Situationen couragiert zu sich zu stehen. Denn sie merkt durch ihr “Traumgefühl”, sich in einem solchen Fall zurückzuziehen, das tut ihr absolut nicht gut.

Hunde im Traum oder das Geschenk von Anja

Hunde im Traum oder das Geschenk von Anja

Hunde im Traum sind ein besonders schönes Symbol, finde ich. Und irgendwie wundert es mich gar nicht, dass sie so häufig die Träume bevölkern. Ganz unabhängig davon, ob die Träumerin oder der Träumer einen Hund besitzt oder jemals besaß, oder ob sie etwas mit Hunden am Hut hat. Das liegt einfach daran, dass ein Hund als Traumsymbol für etwas steht, dass für jeden Menschen wichtig, ja unabdingbar ist. Gerade auch in Phasen und in Zeiten, in denen sich vieles ändert.

Paulas Traum

Paula hat real gerade viele Herausforderungen zu bewältigen, dazu kam jetzt noch eine Erkrankung. Aber langsam ist sie auf dem Weg der Gesundung.
Im Traum erlebt sie Wohlbefinden und ihre Genesung in einer Rehaklinik. Aber ihr begegnen auch viele irritierende Schwierigkeiten. Schließlich gerät sie auf einen Weg, auf dem sie nicht so recht weiß, wo sie genau ist und wie es weitergehen könnte. Da erhält Paula im Traum ein Geschenk von ihrer Schwester: eine Tube „Hundesalbe“ von Anja.

Jeder Traumkundige ahnt schon: Das ist ein Stoff, der aus dem Leben gegriffen ist. Wie gemacht für einen Traum, mit dem Alltagserlebnisse und -schwierigkeiten verarbeitet werden, der aber auch Auswege aufzeigt. Da ist im Traum zum einen die Genesung, andererseits die irritierenden Schwierigkeiten, schließlich der Weg, auf dem Paula nicht weiß, wie sie weiterkommen kann.

Was ist die Botschaft? Was genau kann für Paulas weiteren Weg hilfreich und heilsam sein? Die Antwort liegt im Traumgeschenk von ihrer Schwester – einer Tube Hundesalbe von Anja.

Paulas Schwester ist real mit wirksamen Angeboten zur Selbstheilung unterwegs. Mit diesen hat Paula oft gute Erfahrungen gemacht und vertraut diesen. Also könnte die Salbe von Anja ihr helfen. Über Anja erzählt Paule, sie sei real eine begnadete Hundetrainerin mit dem Herzen am rechten Fleck, überhaupt eine bemerkenswerte Frau mit einer starken authentischen Ausstrahlung.

Hunde stehen im Traum symbolisch für die Treue und Wachsamkeit, die man sich selbst gegenüber aufbringen sollte.

Entsprechend kann man die heilsame Traumbotschaft aus dem Unbewussten für Paulas Genesung und ihren weiteren Weg so zusammenfassen:

Heile dich selbst, indem du dir selbst treu bist und das so engagiert trainierst wie Anja das in ihrer Profession machen würde. Wegweisend für dich ist, dir eine heilsame Essenz zusammenzustellen aus dem, was Anja in deinen Augen repräsentiert. Frage dich, was dein eigenes Herz an den rechten Fleck rückt, so dass du authentisch sein kannst, wie auch Anja das ist. Womöglich hat das alles etwas mit deinen Kontakten zu tun, denn eine heilsame Salbe entfaltet seine Wirksamheit ausgehend von der Haut, unserem größten Kontaktorgan.

Diese Botschaft liefert also jede Menge Hinweise für Paula, nach konkreten Lösungen und Schritten Ausschau zu halten.

Traumbotschaften sind sehr konstruktiv! Erlebst du das auch so? Wie geht es dir mit den persönlichen Nachrichten aus dem Unbewussten?


Krise als Chance – es ist nie zu spät für gute Träume

Krise als Chance – es ist nie zu spät für gute Träume

Träum was Schönes.

Träum was Schönes … Wirst du heute gleich mit meiner wöchentlichen Abschiedsfloskel begrüßt? Nein! Dies ist das heutige Thema. Und es ist keine Floskel. Es ist mein Wunsch für dich. Einer, der von Herzen kommt.

Gute Träume, schlechte Träume …

Es ist mitnichten selbstverständlich, dass man etwas Schönes träumt. Du weißt, es gibt verwirrende Träume, Träume, die nichts hinterlassen außer einem beunruhigenden Gefühl, Träume, die beklommen machen, bis hin zu Albträumen, die sich wiederholen, so dass der Träumende schließlich Angst davor hat, ins Bett zu gehen.

Vor einigen Monaten – aktuell haben wir August 2020 und somit ist „Corona“ ein allgegenwärtiges Thema – begann die Harvard-Professorin Dr. Deirdre Barrett mit einer großen internationalen Umfrageaktion1. Sie will Träume im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie untersuchen. Es ist bedrückend zu lesen, welch innere Dramatik in den von ihr gesammelten Träumen herrscht, welcher Verwirrung und welchen Ängsten viele der Träumerinnen und Träumer ausgesetzt sind. Welch ein Stress da wohl Nacht für Nacht bewältigt werden muss, über die tagsüber bewusst erlebten Herausforderungen hinaus!
Doch so unterschiedlich, wie Menschen mit dem Corona-Thema umgehen, so unterschiedlich sind wohl auch ihre Träume.

Die Reise nach Wuhan

Kürzlich wollte Bernadette eine Traumserie mit mir besprechen. Ein Traum begann so: „Ich wollte nach Wuhan2.“
Ok!? Ich schnallte mich an, atmete tief ein und aus und war auf alles gefasst.
Doch was hörte ich? Keine Lebensängste, keine verzweifelten Gefühle, keine Spur von Hoffnungslosigkeit. Der Traum spiegelt eher die typische Bernadette – eine offene, neugierige und kreative Frau, die im Jetzt lebt, jeden Tag positiv begrüßt und es versteht, mit wachem Blick und großer Mitmenschlichkeit das Beste aus allem zu machen.

Die Träume ihrer “Wuhan-Serie” beginnen jeweils auf einem Schiff, das Deck unter Bernadettes Füßen ist anfangs brüchig. Zuerst war sie sich nicht sicher, ob sie überhaupt mitreisen wollte, wurde dann aber plötzlich mitgerissen. Am Himmel über dem Schiff betrachtet Bernadette neugierig und fasziniert zwei überwältigend große Vogelschwärme, verbunden aber mit der Angst vor den möglichen Exkrementen der Vögel. Sie begegnet, nachdem sie ihren Reiserucksack ablegen konnte, einer Künstlerin – mit der Aufgabe, sich zu ihr zu äußern. Im Folgetraum hat sie ein festes Deck unter den Füßen. Sie erlebt noch viele Reisestationen. Dann schließlich hat sie eine ihr bekannte Fotografin deutlich vor Augen. Diese posiert vor ihr, mit kindlichem Charme und in einem schönen blauen Kleid mit weißen Blüten.

Das Schiff im Meer symbolisiert Bernadettes Lebensreise. Dabei gewinnt sie im Laufe der Zeit festeren Boden unter den Füßen. Die Ereignisse der letzten Monate werden auch von ihr als einschneidend erlebt, so ist verständlich, dass sie unsicher ist, ob sie die Reise antreten will. Diese anfängliche Frage löst sich durch das plötzliche Mitgerissenwerden auf, Bernadettes Reise beginnt. Diese Traumszene ist leicht nachzuvollziehen, denn in das Coronathema wurden wir ja alle hineingezogen, ob wir wollten oder nicht.

Vögel als Herrscher des Luftraums, eigentlich ein wunderbares Symbol für freiheitliche Bewusstseinsprozesse, formieren sich in Bernadettes Traum zum Sinnbild der Informationsschwemme. Eine solche sucht uns ja seit „Corona“ besonders heim. Bernadette erlebt diese als durchaus zweispältig – was durch die zwei Schwärme symbolisiert wird. Und es kann dabei für ihr Empfinden auch jede Menge „Scheiß“ abfallen, eine unangenehme Vorstellung. Auch das ist verständlich, oder?

Bernadettes vielseitiges kreatives Schaffen spielt eine große Rolle in ihrem Leben. Im Traum nähert sie sich dem Thema ihrer Kreativität, nachdem sie wieder mehr Leichtigkeit findet, also den großen Reiserucksack, Lebenspäckchen sozusagen, ablegen konnte, und dann mit der Künstlerin in Kontakt kommt.
Doch ihr eigentlicher Wunsch zeigt sich in dem feinen Bild der posierenden Fotografin, die in ihrem Kleid mit weißen Blüten so charmant um Bernadettes Aufmerksamkeit wirbt. Mit diesem Traumbild begegnet die Träumerin ihrem Lebenswunsch, dem sie tatsächlich – und jetzt deutlich vor Augen – immer mehr Aufmerksamkeit widmen möchte.

Ortrud Grön sagt, Wünsche sind wie Blüten, die befruchtet werden wollen, aufblühende Herzenswünsche sind der Wegweiser in unsere Identität.
Die vielen Blüten auf dem Kleid zeigen das große künstlerische Potential, das Bernadette als Fotografin verwirklichen kann. Das ist ihr durchaus bewusst, die Klarheit der weißen Blüten symbolisiert diese Klarheit. Aber dieser Wunsch bringt sich nun in Erinnerung und möchte erfüllt werden.

Krise als Chance

So zeigt sich in Bernadettes Träumen, dass die Krise im Außen („Wuhan“) für sie offenbar ein Ruf ist, deutlich bei sich zu bleiben, nach innen zu schauen, und einen innigen Seelenwunsch in Augenschein zu nehmen.
Wobei dies eine Lebenshaltung ist, die Bernadette sich jahrzehntelang erarbeitet hat.

Was aber, wenn im Traum tatsächlich der Boden unter den Füßen wegbricht, die Hütte brennt oder wir von einer schwierigen Situation in die nächste stolpern?

Dann beginnen wir in der Traumarbeit genau dort, wo wir hineingeschubst werden.

Ortrud Grön, die unermüdliche Traumforscherin, -lehrerin und -therapeutin, drückte es so aus:

Träume sind dramatische Dichtungen zu unserer Schwierigkeit zu reifen. Sie sind die Werkstatt des geistigen Lebens, Wegweiser zu befreiten Gefühlen und Gedanken und sie zeigen den Weg zur persönlichen Freiheit und zur schöpferischen Kraft.

Ortrud Grön, Traum und Evolution, 2017 EHP

All dies können wir uns Schritt für Schritt erarbeiten, beginnend an dem Ort, den der Traum uns offenbart, am derzeitigen Seelenort, sprich, bei unserer aktuellen Befindlichtkeit. Je stimmiger unser Weg dann wird, umso entspannter helfen die Träume bei

träum was Schönes.

“Träum was Schönes” – das wünschte mir auch mein Vater immer abends, wenn ich auf dem Weg ins Bett war.
Heute frage ich mich, ob sich mit diesem freundlichen väterlichen Wunsch für eine friedliche Nacht in mir ein Urvertrauen in die Träume aufbaute. Früher war es mir nicht bewusst, aber heute empfinde ich es als ein großes Geschenk, gut und entspannt träumen zu können, ein Vertrauen zu haben, dass das Unbewusste in der Nacht ein gutes Werk für mich verrichten wird.

Danke, Papa, für diese Basis, die du gelegt hast.

Und genauso wünsche ich auch dir von Herzen heute und immer wieder:
Träum was Schönes.


1 Zur Umfrageaktion [LINK] | Bericht in der VOGUE über die Aktion „Schlechte Träume?“ VOGUE 21.04.2020 [LINK]

 2 Wuhan gilt als der Ort, an dem die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie ihren Anfang nahm

Welche Qualität haben deine Träume?
Schreibe mir gern davon oder von anderen Traumthemen.
Nicht alle Nachrichten kann ich beantworten, aber gelesen und beachtet werden sie alle, versprochen.

Und leite diese Nachricht hier gern an Trauminteressierte, die du kennst, weiter. Diese können sich mit dem Link unten den Merkzettel „Dein einzigartiges Traumtagebuch“ gratis holen und so den Einstieg in die Traumarbeit leicht finden.

Traumtagebuch führen
Wertvolle Traumsplitter

Wertvolle Traumsplitter

Isolde klagte: „Petra, ich weiß nicht, was los ist, ich träume kaum noch, nur noch so Fragmente.“
“Schade, sagte ich, wirf diese Diamantensplitter nicht einfach so weg. Erzähl lieber mal von einem solchen Fragment!”

„Ich stand in der Küche und siebte und siebte.”

Isoldes Traum

Traumfragmente verstehen – wichtig ist die Verbindung zur Träumerin, zum Träumer

Das ist in der Tat ein Minifragment, zumal Isolde keine weiteren Assoziationen zu diesem Traumbild hatte und ihr auch sonst nichts Wesentliches aus dem Alltag dazu einfiel. Der Traumbedeutung können wir trotzdem auf die Spur kommen.

Das Sieben in der Küche im Traum erzählt etwas über Isoldes Lebensart

Nehmen wir die Küche in den Fokus. Ich möchte hier Ortrud Grön zitieren mit ihrer genialen Aussage: Die Küche im Traum ist der innere Raum, in dem wir uns unsere Lebensspeise zubereiten. Schön, oder?

Solange ich Isolde kenne, und das sind schon einige Jahre, passt dieses Bild ganz typisch zu ihr. Nie erzählt sie von ihren Mühen des Alters und des Alltags, obwohl es beides zur Genüge gibt. Immer hat sie „Wesentliches“ zu erzählen, Dinge, die sie über die Welt und besonders über sich selbst herausgefunden hat. Immer wieder holt sie sich Anregungen, aus Büchern, von anderen, besonders von Gleichgesinnten. Und immer gleicht sie genau und sehr kritisch ab, was zu ihr passt und was nicht.

Wenn ich Isolde jetzt zuhöre, sehe ich sie in der Küche stehen und sieben. Sie siebt und siebt aus und findet so heraus, welche Lebensspeise die Ihre ist, welche zu ihr passt und ihr Energie gibt.

Ein Traumfragment, ein kleiner Diamant, auf Isoldes Weg zum
„Erkenne dich selbst!

Die stolze Spinne

Ich erinnerte mich auch gleich an ein eigenes Traumbild, ein einziges, das ich wenige Nächte zuvor geträumt hatte:

Ich ging mit einem kleinen Stapel Unterlagen unterm Arm ins Haus. Neben mir schritt eine kleine schöne Spinne.

Waaas? Eine Spinne schritt …? Was soll das, wirst du fragen. Tatsächlich war die Spinne wunderschön – symmetrisch gewachsen und sie lief irgendwie stolz, erhobenen Hauptes. Ja genau: majestätisch schritt sie ins Haus.

Die Spinne im Traum verhilft zu einer Erkenntnis

Im Traum war ich unterwegs zu mir selbst – hinein in mein Haus. Die Unterlagen in meinem Arm waren ein Symbol für mein Befinden mit meinem Projekt, das ich nun stark reduziert fortführen wollte. Daher also nur so ein kleiner Stapel. Und die kleine schöne Spinne zeigte mir, wie gut meine Entscheidung für die Reduktion doch war. Genau daran hatte ich am Vortag ja noch gezweifelt, denn ich war frustriert, weil die Dinge nicht so liefen, wie ich mir das vorgestellt hatte und weil ich schon im Vorfeld reduzieren musste, wo ich eigentlich etwas aufbauen wollte.

Mit meinem kurzen harmonischen Traumbild allerdings fing ich an, meine Entscheidung mit anderen Augen zu sehen: Wie gut, dass ich es geschafft hatte, mich selbst vor meinen eigenen Ansprüchen zu schützen, vor der schlechten Energie einer maßlosen Selbstüberforderung. Die ursprünglich geplanten Vorhaben hätten mich viel zu viel Kraft gekostet. Der Traum zeigt mir, dass ich eine innere Instanz habe, die Spinne, die mich vor dem Verlust von Lebenskraft (blutsaugende Insekten) schützt. Durch die kleine „majestätische“ Spinne konnte ich erkennen, dass ich stolz auf mich selbst sein sollte und auch mit einem reduzierten Projekt erhobenen Hauptes durchaus weiterkommen kann, mit Gewinn für meine innere Energiebalance. – So kam ich schnell wieder in meine Mitte.

Und dies alles mit Hilfe einer kleinen Traumspinne. Ist das nicht wirklich ein wertvoller Diamantsplitter?

Manche Traumfragmente haben einen ganz anderen Charakter. Zum Beispiel, wenn da eine ganze Geschichte in der Nacht geträumt wurde, man sich aber nur noch an wenige Details erinnert. Und wenn dazu womöglich auch noch die Verbindung zum Vortag fehlt. In diesem Fall kann man versuchen, die Traumerinnerung zu trainieren, indem man das noch präsente Traumfragment wie ein Fadenende greift und sich mit Aufmerksamkeit daran entlang hangelt. Manchmal gelingt es auf diesem Weg, weitere Details des Traums zu fassen.

Schreibe mir gern von deinen Traumfragmenten oder von anderen Traumthemen. Nicht alle Nachrichten kann ich beantworten, aber gelesen und beachtet werden sie alle, versprochen.


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